Relativ null

von Jan Hanitsch © 2011 

 

Die Zahl Null ist in ihrer metaphorischen Aussagekraft zweifelsfrei die Präziseste ihrer Art. Intuitiv wird sie assoziiert mit dem Absoluten, dem Nichtvorhandensein, der Negation. Im Koordinatensystem der Mathematik hat sie eine klar definierte Position als Ursprung und ist Referenzpunkt aller möglichen Werte. Eine ausführliche Untersuchung ihrer metaphorischen Funktion zeigt jedoch die Notwendigkeit einer Erweiterung ihrer Definition auf. Ihre sinnbildliche Bedeutung bezüglich Begriffen, die einen Prozess darstellen, zeigt, dass das Zusammenspiel dieser zwei Komponenten neben der Negation des Prozesses noch Aufschluss hinsichtlich einer zweiten Wahrheit gibt. Begriffe wie Fortschritt oder Entwicklung, besitzen in ihrer konkreten Anwendung stets eine Basis als Ausgangspunkt. Zu ihr besteht eine direkte Abhängigkeit, die zur Beschreibung des Verlaufs lediglich einen relativen Wert zur Basis zulässt. Die Verneinung einer Abweichung von der Ausgangssituation, spricht logisch eine Kontinuität des Ist-Status aus. 

Hinter der vordergründigen Tatsache der Negation steht demnach noch eine sekundäre Wahrheit. relativ null widmet sich eben diesem zweiten Phänomen. Visualisiert durch verfestigte Vorgänge wird die Auswirkung eben dieser negierten Prozesse auf ihre Umwelt beleuchtet. Trotz dem Versuch des Einwirkens durch das Subjekt und ihrer Existenz im gleichen Ebenenraum, verharren die Vorgänge in ihrer Kontinuität. Von den Prozessen Außenstehendes ist von der Wahrnehmung des vom Prozess Inbegriffenen ausgeschlossen. Der Konflikt der Unmöglichkeit der Interaktion wird durch dieeingesetzten Medien der Videoprojektion und dem darstellenden Subjekt neben der bildlichen-, zusätzlich auf stilistischer Ebene ausgetragen. Jedes Medium stellt eine kontraire Positionen dar. Zusammen ergibt sich somit zwar eine gemeinsame Bildwelt, die Grenze zur wechselseitigen Kommunikation wird jedoch nicht überschritten. Die Symbolkraft der bewegten Rahmen, die zuzüglich zur gewöhnlichen Anwendung der räumlichen Abgrenzung, elementare Bildbestandteile sind und in dieser Funktion ebenso in metaphorischer Sichtweise den begrenzenden Faktor darstellen, lassen Raum für Assoziationen.